Was ist das?

Matthias Dufner

Katharina Kiefer

Anne Klammt

Jonas Sell

Was gibt einer wissenschaftlichen Tagung Gestalt und wann nimmt sie diese an? Themensetzung, Formatwahl, Einladung der Keynotes, Einreichungen und Reviews entwerfen weit vor Beginn der tatsächlichen Zusammenkunft ein Modell des kommenden Geschehens. Es sind sowohl kreative und in hohem Maße partizipative Anteile, wie auch Normen und Traditionen, die die Tagung formen. Aus diesem Spannungsfeld heraus haben wir für die DHd 2019 das Konzept einer individuellen Visualisierung aller positiv reviewten Beiträge und der Keynotes entwickelt.

Jede Visualisierung gehört einer der fünf Basisformen – den vorgegebenen Formaten der Tagung – an. Farbgebung und Dichte ergeben sich aus Kennwerten der einzelnen Beiträge. Zugrunde gelegt werden die einzelnen, auf der Webseite vollständig angezeigten Zusammenfassungen der Abstracts. Sie werden von einem Python-Script im Bezug auf Sentiment-Wert und Flesch-Reading-Ease (FRE) ausgewertet. Die hierfür genutzten Packages sind textstat und textblob_de. In beiden Fällen reicht die Skala von 0 - 100: Während ein niedriger Sentiment-Wert auf einen eher negativ gefärbten Text zurückzuführen ist, bedeutet ein niedriger Flesch-Reading-Ease, dass es sich hier (nach dem textstat-Algorithmus) um einen leicht verständlichen Text handelt. So hat dieser Text einen FRE 87 von und einen Sentiment-Wert von 55. Die Farbgebung der Animation richtet sich nach dem errechneten Flesch-Reading-Ease, während der Sentiment-Wert die Dichte der Visualisierung durch Größe und Anzahl der Sechsecke bestimmt.

Um die verschiedenen Beiträge letztendlich zu visualisieren, bedurfte es einer Techologie, die die berechneten FRE- und Sentiment-Werte einlesen und sie in einer Webumgebung visualisieren kann. Hierzu wurden Scripts mit der auf Java basierenden Technologie Processing entwickelt, in Kombination mit der Erweiterungsbibliothek Processing.js, um eine Darstellung im Webbrowser zu ermöglichen. Auf Basis der durch die Textanalyse erzeugten Metrik-Daten kombinieren sich einfache Grundelemente zu komplexen Strukturen. Diese nur scheinbar zufälligen Visualisierungen stellen damit eine weitere Modalität des ursprünglichen Textes dar.

Die so gewonnenen Visualisierungen bedeuten keinerlei inhaltliche Gewichtung. Jede einzelne von ihnen wird nach dem Zufallsprinzip auf der Startseite geladen. Welcher Beitrag also die optische Gestalt der Tagung prägt, ist ebenso individuell und letztlich auch dem Zufall überlassen, wie die Entscheidung, welches Poster oder Panel, welcher Vortrag oder Workshop einem von der DHd 2019 besonders in Erinnerung bleiben wird.